Kurz gesagt: Rankings gehen beim Relaunch meist verloren, weil alte URLs ins Leere laufen, gut rankende Inhalte gestrichen werden oder die neue Seite versehentlich nicht indexierbar ist. Mit einem vollständigen URL-Mapping, permanenten 301-Weiterleitungen, erhaltenen Inhalten und einem sauberen Monitoring nach dem Livegang lässt sich das Risiko deutlich senken.
Ein Relaunch ist für Suchmaschinen ein großer Umbruch: Seiten ändern Adresse, Struktur und Inhalt. Google muss die neue Website neu erfassen und die bisherigen Signale den neuen Seiten zuordnen. Ob das gelingt, entscheidet sich zum größten Teil vor dem Livegang. Google beschreibt den Ablauf ausführlich in seiner Dokumentation zum Umzug einer Website mit URL-Änderungen.
Warum Relaunches Rankings kosten
- Fehlende Weiterleitungen: Alte URLs liefern einen Fehler (404). Rankings und Verlinkungen dieser Seiten gehen verloren.
- Gestrichene Inhalte: Texte, die bisher Besucher gebracht haben, werden gekürzt oder entfernt.
- Technische Sperren: Die noindex-Anweisung aus der Testumgebung wird mit live geschaltet, oder die robots.txt blockiert die Website.
- Neue Struktur ohne Plan: Interne Links ändern sich, wichtige Seiten rutschen tief in die Navigation.
- Langsamere Seite: Ein aufwendigeres Design kann Ladezeiten verschlechtern.
Schritt 1: Bestandsaufnahme der alten Website
Bevor irgendetwas umgebaut wird, sicherst du den Status quo:
- Vollständige Liste aller URLs – per Crawl, aus der XML-Sitemap und aus der Google Search Console.
- Die Seiten mit den meisten Klicks und Impressionen aus der Search Console.
- Seiten mit externen Verlinkungen.
- Aktuelle Seitentitel, Meta-Descriptions und Überschriften der wichtigen Seiten.
- Ein Export der wichtigsten Kennzahlen als Vergleichsbasis für später.
Schritt 2: URL-Mapping und 301-Weiterleitungen
Das URL-Mapping ist das Herzstück jedes Relaunchs. Jede alte URL bekommt eine neue Zieladresse – und zwar die inhaltlich passendste Seite, nicht pauschal die Startseite.
| Alte URL | Neue URL | Hinweis |
|---|---|---|
| /leistungen/seo.php | /seo | Gleicher Inhalt, neue Adresse |
| /team/anna | /agentur | Einzelseite in Teamseite aufgegangen |
| /angebot-2019 | – | Bewusst entfernt, kein passendes Ziel |
Für dauerhafte Änderungen nutzt du permanente Weiterleitungen (301 oder 308). Google erklärt die Unterschiede in der Dokumentation zu Weiterleitungen und der Google Suche. Vermeide Weiterleitungsketten (A → B → C) und leite gelöschte Seiten ohne passendes Ziel nicht massenhaft auf die Startseite um.
Schritt 3: Inhalte erhalten und verbessern
Ein neues Design ist eine gute Gelegenheit, Texte zu überarbeiten – aber Seiten, die heute gut ranken, solltest du nicht ohne Grund radikal kürzen. Die bewährten Inhalte bleiben, werden aktualisiert und ergänzt. Achte darauf, dass Seitentitel, Überschriften und strukturierte Daten auf den neuen Seiten mindestens so gut sind wie vorher.
Schritt 4: Testumgebung richtig absichern
Die neue Website entsteht meist auf einer Staging-Umgebung. Diese sollte nicht in den Suchergebnissen auftauchen – am zuverlässigsten mit einem Passwortschutz, alternativ mit noindex. Wichtig ist, dass diese Sperre beim Livegang wieder entfernt wird. Ein vergessenes noindex ist einer der häufigsten Gründe für plötzlich verschwundene Rankings.
Schritt 5: Tracking und Messung
Prüfe, ob Analyse- und Conversion-Tracking auf der neuen Website vollständig funktionieren – inklusive Einwilligungsbanner. Ohne vergleichbare Daten kannst du nach dem Launch nicht beurteilen, ob sich die Website besser oder schlechter entwickelt.
Sonderfall Domainwechsel
Ändert sich nicht nur die Struktur, sondern auch die Domain – etwa nach einer Umbenennung –, kommt eine weitere Ebene hinzu. Alle URLs der alten Domain müssen dauerhaft auf die passenden Seiten der neuen Domain weiterleiten. Beide Domains sollten in der Google Search Console bestätigt sein, damit du die Adressänderung melden und Fehler auf beiden Seiten beobachten kannst. Die alte Domain solltest du nicht auslaufen lassen: Solange es Links und Lesezeichen auf sie gibt, werden die Weiterleitungen gebraucht.
Wenn möglich, ändere nicht alles gleichzeitig. Domainwechsel, neue Struktur und komplett neue Inhalte auf einmal machen es schwer, Ursachen für Veränderungen zu erkennen.
Wer am Relaunch beteiligt sein sollte
Viele SEO-Probleme entstehen, weil SEO erst kurz vor dem Livegang hinzugezogen wird. Besser ist es, wenn Design, Entwicklung, Content und SEO von Anfang an zusammenarbeiten. Konkret heißt das: SEO prüft die geplante Seitenstruktur, bevor das Design finalisiert wird, liefert das URL-Mapping rechtzeitig an die Entwicklung und testet die Staging-Umgebung, bevor sie live geht. Auf Unternehmensseite sollte jemand die Inhalte und Freigaben verantworten, damit am Ende nicht unter Zeitdruck Texte gekürzt werden.
Checkliste vor dem Livegang
- URL-Mapping vollständig, Weiterleitungen auf der Staging-Umgebung getestet
- Wichtige Inhalte übernommen, Seitentitel und Descriptions gesetzt
- Canonical-Tags verweisen auf die neuen URLs
- Neue XML-Sitemap erstellt, robots.txt geprüft
- Interne Links zeigen direkt auf die neuen URLs, nicht auf Weiterleitungen
- Ladezeit und mobile Darstellung geprüft
- Tracking und Formulare getestet
Checkliste nach dem Livegang
- Staging-Sperre (noindex/Passwort) auf der Live-Seite entfernt
- Stichproben: Alte URLs leiten korrekt mit 301 auf die neuen Ziele
- Neue Sitemap in der Google Search Console eingereicht
- Bei Domainwechsel: Adressänderung in der Search Console angestoßen
- Search Console in den folgenden Wochen auf Crawling- und Indexierungsfehler überwachen
- Rankings, Klicks und Anfragen mit der Vergleichsbasis abgleichen
- Gefundene 404-Fehler nachträglich weiterleiten
Wie lange dauert es, bis sich alles einpendelt?
Auch bei einem sauberen Relaunch kann es Schwankungen geben, während Google die neue Struktur verarbeitet. Bei größeren Websites dauert das länger als bei kleinen. Wichtig ist, in dieser Phase genau hinzuschauen und Fehler schnell zu beheben. Warum SEO generell Zeit braucht, erklären wir in Wie lange dauert SEO?
Häufige Fragen zum Relaunch
Muss ich die URLs überhaupt ändern?
Nein. Wenn die bestehenden URLs sinnvoll und verständlich sind, ist es oft am sichersten, sie beizubehalten. Jede geänderte URL braucht eine Weiterleitung und erhöht das Risiko. Ändere Adressen nur dort, wo es einen klaren Vorteil gibt, etwa eine verständlichere Struktur.
Wie lange müssen Weiterleitungen bestehen bleiben?
Google empfiehlt, Weiterleitungen über einen langen Zeitraum aktiv zu lassen. In der Praxis spricht wenig dagegen, sie dauerhaft zu behalten – sie kosten kaum Aufwand und sichern Verlinkungen und Lesezeichen von außen ab.
Relaunch mit weisherz
Wir planen Relaunches so, dass Design und SEO von Anfang an zusammenarbeiten: Bestandsaufnahme, URL-Mapping, Umsetzung und Monitoring nach dem Livegang. Mehr zu unseren Leistungen findest du unter Webdesign Agentur Berlin und SEO Agentur Berlin. Was ein neues Projekt kostet, liest du in Was kostet eine professionelle Website? – oder du sprichst direkt mit uns.
Quellen & weiterführende Links
Stand der Informationen: siehe Veröffentlichungs- bzw. Aktualisierungsdatum. Plattformen wie Google ändern Funktionen und Richtlinien regelmäßig.