Kurz gesagt: Fake-Bewertungen erkennst du selten an einem einzelnen Merkmal, sondern an Mustern: Häufungen in kurzer Zeit, Profile ohne nachvollziehbare Aktivität, kein passender Kundenkontakt, auffällig ähnliche Formulierungen oder Bewertungen, die sich gleichzeitig gegen mehrere Anbieter einer Branche richten. Sammle Belege, antworte sachlich und melde die Bewertung bei Google mit dem passenden Grund.

Was gilt überhaupt als Fake-Bewertung?

Google spricht in seinen Richtlinien für nutzergenerierte Inhalte unter anderem von gefälschten Interaktionen, Spam und Interessenkonflikten. Für die Praxis lassen sich Fake-Bewertungen grob in vier Gruppen einteilen:

  • Erfundene Erlebnisse: Die Person war nie Kundin oder Kunde und beschreibt eine Erfahrung, die es nicht gab.
  • Bewertungen mit Interessenkonflikt: Mitbewerber bewerten die Konkurrenz schlecht, ehemalige Mitarbeitende rächen sich am Arbeitgeber.
  • Gekaufte oder organisierte Bewertungen: Bewertungen werden gegen Geld oder in koordinierten Aktionen abgegeben – negativ wie positiv.
  • Spam: Massenhaft gleichartige Bewertungen, oft von automatisiert wirkenden Konten.

Übrigens: Auch gekaufte positive Bewertungen sind Fakes. Wer selbst Bewertungen kauft oder schreiben lässt, riskiert, dass Google Bewertungen entfernt und das Profil sichtbar kennzeichnet.

Typische Merkmale von Fake-Bewertungen

Keines der folgenden Merkmale beweist allein eine Fälschung. Je mehr davon zusammenkommen, desto stärker wird aber der Verdacht.

Auffälligkeiten beim Zeitpunkt

  • Mehrere negative Bewertungen innerhalb weniger Stunden oder Tage, nachdem lange Zeit nichts passiert ist.
  • Bewertungen zu Zeiten, in denen dein Geschäft geschlossen war oder keine Termine stattfanden.
  • Ein zeitlicher Zusammenhang mit einem Konflikt – einer Kündigung, einem Streit, einer Preiserhöhung bei einem Mitbewerber.

Auffälligkeiten beim Profil

  • Profile ohne Foto, mit generischem Namen und ohne weitere Bewertungen.
  • Profile, die ausschließlich Ein-Stern-Bewertungen abgeben – oder auffällig viele Unternehmen derselben Branche in derselben Stadt bewerten.
  • Bewertungen von Orten, die weit entfernt liegen, ohne erkennbaren Bezug zu deinem Unternehmen.

Auffälligkeiten beim Inhalt

  • Kein Text oder sehr allgemeine Aussagen ohne konkrete Details („Schlechtester Laden ever“).
  • Details, die nicht zu deinem Angebot passen: Produkte, die du nicht führst, Mitarbeitende, die es nicht gibt, ein falscher Standort.
  • Sehr ähnliche Formulierungen oder Rechtschreibfehler in mehreren Bewertungen.
  • Indirekte Werbung für einen anderen Anbieter („Geht lieber zu …“).

Belege sammeln – bevor du meldest

Je besser du deinen Verdacht dokumentierst, desto gezielter kannst du melden und desto besser bist du vorbereitet, falls du später nachfassen oder rechtlichen Rat einholen willst.

  1. Screenshots: Sichere jede verdächtige Bewertung mit Datum, Uhrzeit und Profilnamen. Bewertungen können geändert oder gelöscht werden.
  2. Profil der verfassenden Person: Halte fest, welche anderen Bewertungen das Profil abgegeben hat.
  3. Abgleich mit deinen Daten: Prüfe Kundenkartei, Buchungssystem oder Kassendaten auf einen passenden Kontakt – ohne diese Daten später öffentlich zu nennen.
  4. Zeitleiste: Notiere, ob es einen Anlass gab, etwa eine Kündigung oder einen Konflikt.
  5. Muster: Wenn mehrere Bewertungen betroffen sind, stelle sie in einer Übersicht nebeneinander. Muster werden so schneller sichtbar.

So gehst du gegen Fake-Bewertungen vor

1. Sachlich antworten

Auch auf eine vermutete Fake-Bewertung solltest du öffentlich reagieren – ruhig und ohne Anschuldigungen. Ein Satz wie „Wir konnten Ihren Besuch leider nicht in unseren Unterlagen finden – bitte melden Sie sich direkt bei uns“ zeigt späteren Leser:innen, dass du die Sache ernst nimmst. Beispiele für gute Antworten findest du im Ratgeber Negative Google-Bewertung erhalten – was tun?

2. Bei Google melden

Melde die Bewertung über Google Maps oder dein Unternehmensprofil und wähle den Grund, der am besten passt – meist „Spam“ oder „Interessenkonflikt“. Wie das im Detail funktioniert und was du bei einer Ablehnung tun kannst, steht in unserer Anleitung Google-Bewertung melden. Bei einer Welle von Bewertungen meldest du jede einzeln.

3. Dranbleiben

Google prüft Meldungen selbst und entscheidet über die Entfernung. Das dauert erfahrungsgemäß einige Tage bis mehrere Wochen. Als Inhaber:in eines verifizierten Profils kannst du den Status deiner Meldungen im Tool zur Verwaltung von Rezensionen verfolgen; Einzelheiten beschreibt die Hilfe zum Google-Unternehmensprofil.

4. Bei Rechtsverletzungen rechtlichen Rat holen

Wenn Fake-Bewertungen unwahre Behauptungen enthalten oder gezielt geschäftsschädigend wirken, kann ein rechtliches Vorgehen in Frage kommen. Ob und wie, beurteilt eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt. Als Agentur leisten wir keine Rechtsberatung – deine gesammelten Belege sind für ein solches Gespräch aber eine wertvolle Grundlage.

Vorbeugen: So machst du dein Profil robuster

Ganz verhindern lassen sich Fake-Bewertungen nicht. Du kannst aber dafür sorgen, dass sie weniger Schaden anrichten und schneller auffallen:

  • Viele echte Bewertungen: Je mehr aktuelle, echte Bewertungen du hast, desto weniger fällt eine einzelne Fälschung ins Gewicht.
  • Regelmäßiges Monitoring: Wer Bewertungen täglich oder wöchentlich prüft, erkennt Wellen früh und kann schnell reagieren.
  • Klare Antwort-Routine: Leg fest, wer im Team antwortet, in welchem Ton und innerhalb welcher Zeit.
  • Saubere Dokumentation: Ein einfacher Ordner mit Screenshots und Meldedaten spart im Ernstfall viel Zeit.

Checkliste: Fake-Verdacht prüfen

  1. Gibt es einen passenden Kundenkontakt in deinen Unterlagen?
  2. Hat das Profil weitere Bewertungen – und wenn ja, welche?
  3. Gibt es eine Häufung von Bewertungen in kurzer Zeit?
  4. Passen Details im Text zu deinem Angebot und Standort?
  5. Gibt es einen erkennbaren Anlass oder Interessenkonflikt?
  6. Sind Screenshots und Zeitleiste gesichert?

Wenn du mehrere Fragen mit „auffällig“ beantwortest, lohnt sich eine Meldung. Wir prüfen verdächtige Bewertungen kostenlos und übernehmen die Meldung auf Wunsch für dich – mehr dazu auf unserer Seite Google Bewertung löschen lassen. Für ein dauerhaftes Monitoring deines Profils gibt es unser Online-Reputationsmanagement.

Quellen & weiterführende Links

Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine rechtliche Bewertung wende dich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.